Pascalsgeschichte2021-07-05T11:51:32+00:00

Selbstverantwortung.

Begonnen hat alles 2008 als ich wegen eines Kreuzbandrisses 6 Monate lang krank geschrieben war. Mir war damals sehr langweilig und es fehlte der alltägliche Kontakt und auch Anerkennung. Ich war Anfang 20 und machte gerade eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner.Ich begann vermehrt unterschiedliche Online-Spiele zu spielen. Dort hatte ich Kontakt zu Gleichgesinnten und man bekam Anerkennung, wenn man bei den Spielen gut war.

Schwierig wurde es dann, als ich wieder arbeiten sollte. Ich war unmotiviert und wollte eigentlich nur noch zu Hause vor dem Computer sitzen. Bald verlor ich die Ausbildung. Meine Eltern machten sich große Sorgen um mich und nahmen mir sogar den Computer weg.
Aber ich lies niemanden an mich ran und kaufte mir auf Raten einen neuen Laptop.
Ich wohnte eine Zeit lang bei meiner damaligen Freundin, dann bei meinen Großeltern. Aber die Sucht danach immer am Computer sein zu wollen, zerstörte nach und nach alle Beziehungen und machte auch ein Berufsleben kaum möglich. Ich hielt mich mit zahlreichen Nebenjobs über Wasser. In der digitalen Welt bekam ich Anerkennung. Allerdings war man immer nur gut bei den Spielen, wenn man viel Zeit und Geld investierte. Ein Teufelskreis.

Ich machte mehrere Therapien. Sowohl ambulant als auch stationär. Lange Zeit dachte ich, es müsse jemand kommen, der mich an der Hand nimmt und mir raus hilft. Aber nach und nach merkte ich, dass der entscheidende Punkt die Selbstverantwortung ist. Nur ich selbst konnte mir letztendlich helfen. Ich musste mich fragen: „Wer bin ich?“ „Was kann ich?“

Seit kurzem stehe ich jetzt auf eigenen Beinen. Ich arbeite als Pflegehelfer und will ab Oktober eine Ausbildung zum Pflegefachmann machen. Ich habe gelernt, dass es mir Freude macht, anderen Menschen zu helfen und sie zu unterstützen. Außerdem möchte ich aufmerksam machen auf die Thematik. Deshalb engagiere ich mich in der Selbsthilfe. Gemeinsam können wir uns außerhalb der virtuellen Welt gut fühlen.

Pascal Kaiser
Leiter Selbsthilfegruppe „Game over“ im Nachbarschaftsheim Jüterbog

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